RIVE MAROC 2018 – mit dem Elektroauto von Österreich nach Afrika

Du willst wirklich wissen, wie es sich anfühlt, wie es funktioniert? Dann steig ein, setz dich hinter das Lenkrad!“ Über 5000-mal (!) hat Franz Liebmann seine Einladung bereits ausgesprochen.

Denn der Steirer (49) ist nicht nur seit 2015 Tesla-Fahrer, sondern auch Botschafter der Elektro-Mobilität. „Ich war in Österreich unter den ersten Hundert, die einen Tesla hatten. Das ist eine andere Welt, die man schwer am Stammtisch erklären kann. Also lasse ich die Menschen probieren – so kann man Vorzüge am besten transportieren“, sagt der Pionier. Der als solcher mit seinem Tiroler Beifahrer Daniel Traut (22) Österreichs einziger Beitrag bei der Rive Maroc Trophy 2018, der E-Rallye durch Marokko, war.

Der kleine Berber sitzt zur Abwechslung mal gerne auf unserem Tesla und Daniel auf seinem Kamel.

Am Ende des Abenteuers von Tanger über Casablanca und Marrakesch nach Ouarzazate gab es nach 800 Kilometern gegen Teams aus der Schweiz, Deutschland, Italien und Portugal Platz eins. Was aber nichts mit packenden, fast unkontrollierbaren Drifts in sandigen Kurven zu tun hatte. Denn Ziel ist es, die Alltagstauglichkeit sowie die Leistungsfähigkeit und Effizienz unter realen Bedingungen unter Beweis zu stellen, nebenbei soll die Welt auch ein kleines Stück besser gemacht werden. Dazu werden etwa auch die Weite der Anreise, das Aufbringen von Spenden sowie die Aktivitäten der Teams in den sozialen Medien bewertet: „Wir hatten zum Schluss 2500 Freunde auf facebook“, sagt Liebmann, der nach 30 Jahren im Außendienst seinen Job gekündigt hatte, heute als E-Mobilitätstrainer Vorträge an Schulen, für Gemeinden, für Unternehmen und auch gerne für Privatpersonen hält.

Die Schüler in Marokko folgen gespannt den Erklärungen über die Mobilität der Zukunft.

Und auch im marokkanischen Atlas-Gebirge eine Eco-Schule besuchte. „Die Kinder gehen für den Unterricht bis zu drei Stunden in eine Richtung, irre“, schüttelt Liebmann den Kopf. Der Steirer kam natürlich nicht mit leeren Händen – 100 Kilo Schulhefte sorgten bei den Kindern, die sonst auf alter Pappe schreiben, für Freudentränen, dazu brachten alle Teams auch 30 gebrauchte Laptops mit, die von der Firma „Lapdoo“ in der jeweiligen Landessprache neu aufgesetzt, Co2-neutral zugestellt werden müssen.

Der Tankwart sucht vergebens den Auspuff oder einen versteckten Tank.

Inklusive der Anreise über die Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien und Gibraltar legten Liebmann und Traut knapp 11.200 Kilometer zurück. Mit dem Ziel, Marokko – wo es derzeit 20 zugelassene Elektro-Autos gibt – heiß auf die andere Art von Autos zu machen. Wobei auch der König helfen wird: „Der will bis 2030 alle Autos mit Verbrennungsmotor aus dem Land haben. Für viele Marokkaner hieße das, direkt vom Esel in ein E-Auto zu wechseln“, weiß Liebmann. Der mit seinem Kennzeichen „SO NICE 9“ auch in Afrika für Aufsehen sorgte. „Das habe ich mir nicht nur zum Spaß ausgesucht. Sei nett zu anderen, sei nett zur Umwelt, sei nett zu dir selbst ist dank der E- Mobilität mein Motto!“

Mittlerweile hat er in 23 Ländern mehr als 315.000 Kilometer zurückgelegt. Und war von der Infrastruktur in Marokko begeistert: „An den Ladestationen hängen Karten, in denen die nächsten Möglichkeiten zum Aufladen eingezeichnet sind. Nach einer vollständigen Ladung ging es in Marokko noch 385 Kilometer, bei der Anschaffung des Autos waren es knapp 400. Da sieht man, dass trotz intensiver Nutzung fast nichts an den Möglichkeiten verloren geht“, sagt Liebmann.

Der von der durchgängigen Beschleunigung, weniger abgenützten Bremsen, verringerter Vibration und einem gleitenden Fahrgefühl im Elektroauto schwärmt. „Dazu musst du aber auch offen für Veränderung sein, durch die Software-Updates ist dein Auto jedesmal ein wenig anders, etwa, wenn die Instrumententafel wieder einmal erneuert wird.“ Während in Afrika auch die Orientierungsfähigkeit des Beifahrers besonders gefragt war: „Mein Navi ging dort nicht, es gibt keine Straßennamen, viele Schilder waren nur auf Arabisch – ohne Daniel wäre es sehr schwierig gewesen“, sagt Liebmann. Der auch vom Besuch im größten Solarkraftwerk der Welt in Ouarzazate begeistert war. Hier scheint 365 Tage die Sonne, auf über 5.000 Hektar stehen 7500 Spiegel, die Strom für 1,2 Millionen Menschen liefern. Ebenso erfreulich ist für ihn der Blick auf die „Benzin“- Rechnung: „Hätte ich den ganzen Strom bisher selbst gezahlt, würde ich bei knapp einem Drittel der Kosten von herkömmlichem Treibstoff liegen“, sagt der Steirer. Der in Ungarn – wo das erlaubt ist – schon einmal für 300 Kilometer die Hände vom Lenkrad nahm, sich vom Autopiloten chauffieren ließ. Auch die Werkstatt hat mich erst dreimal gesehen.“

Daniel Traut vom Team Geero mit einem Mitarbeiter des größten Solarkraftwerks der Welt und den anderen Teilnehmern der RIVE MAROC. Die Anlage ist grundsätzlich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich .

Sollte Ihnen das Auto mit dem prägnanten Kennzeichen demnächst auffallen – einfach einsteigen!

Kronen Zeitung – Krone Bund 11.11.2018

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